Entspannt durchs Leben mit Qigong

Entspannt durchs Leben mit Qigong

Zum Start: Was ist Qigong?
Pepe Berger: Der Name selbst sagt schon aus, was Qigong ist: Es ist die Arbeit mit der Lebenskraft. «Qi» bedeutet Lebenskraft und «Gong» steht für Arbeit und Kultivierung. Qigong ist ein Bestandteil der chinesischen Medizin – ähnlich wie z.B. Akupunktur eignet es sich sehr gut, um auf die eigene Gesundheit Einfluss zu nehmen. Richtig erklären lässt es sich aber schwer, am besten probiert man es aus. Deshalb habe ich dich auch zu einem Probetraining eingeladen.

Wie ist Qigong einzuordnen? Handelt es sich dabei um eine Sportart?
Für mich definitiv nicht. Bei Qigong geht es wie gesagt um die Arbeit mit dem Körper, mit der Atmung und mit dem Geist. Beim Sport steht meist der Wettkampf und das Siegen im Mittelpunkt. Dies darf bei Qigong aber nicht im Vordergrund stehen.

«QIGONG IST EINE LEBENSSCHULE UND DIENT DER LEBENSPFLEGE»

Wie beeinflusst Qigong die Gesundheit und was sind die grössten Vorteile?
Beim Qigong gibt es nicht den grössten Vorteil oder eine Hauptwirkung. Zusammengefasst würde ich die gesundheitliche Wirkung folgendermassen beschreiben: Qigong ermöglicht Harmonien wieder herzustellen, trägt zur Stressreduktion bei und verteilt die Energie, die sich in unseren Köpfen angestaut hat, wieder in den Körper. Zudem hilft es zu lernen, sinnvoll mit unseren Energieressourcen umzugehen und sich selbst besser wahrzunehmen. Oftmals merken wir gar nicht, dass wir gestresst sind, weil wir uns schon so daran gewöhnt haben.

Für wen ist Qigong geeignet? 
Grundsätzlich ist Qigong für jedermann geeignet – je nach dem kann man die Form etwas anpassen. Kindern beispielsweise fällt es eher schwer lange ruhig zu sein – sie haben viel mehr Energie als wir Erwachsenen. Daher ist für sie KungFu, Karate oder Judo besser geeignet. Man kann Qigong für Kinder jedoch spielerischer gestalten, beispielsweise indem man die Bewegungsabläufe nach Tieren benennt: Sich gross machen wie ein Bär, Bewegungen machen wie eine Katze oder ähnlich. Für Erwachsene ist Qigong bis ins hohe Alter geeignet, dann werden die Übungen individuell angepasst. Die einzige Voraussetzung bei herkömmlichen Gruppenkursen ist, dass die Person rund eine Stunde stehen kann.

Gibt es Qigong schon lange? Wann hat es den Weg in die westliche Welt gefunden? 
Qigong gibt es in China schon sehr lange, es ist ein fester Bestandteil der Kultur. Den Weg in die westliche Welt hat es aber erst relativ spät gefunden. Anders als Yoga, das bereits früh durch die Bereisung des indischen Kontinents entdeckt und dann auch im Westen praktiziert wurde, kennt man Qigong hier etwa seit 40 Jahren.

Wenn wir gerade von Yoga sprechen: Gibt es beim Qigong auch so viele verschiedene Formen wie beim Yoga?
Es gibt viele verschiedene Formen von Qigong. Diese unterscheiden sich vor allem aufgrund der Herkunft. Qigong kann in Bewegung oder in Ruhe ausgeführt werden und sich aus schnelleren oder ganz langsamen Bewegungsabläufen zusammensetzen. Ich unterrichte hauptsächlich bewegtes Qigong.

Nun möchte ich natürlich auch noch wissen, wie du zum Qigong gekommen bist.
Über ein Achtsamkeits-Training. Dadurch habe ich erstmals gemerkt, was in meinem Körper passiert und wo ich «Krämpfe» habe. Das hat meine Begeisterung geweckt und mich veranlasst, mich spezifisch weiterzubilden. Mittlerweile bin ich schon acht Jahre Qigong-Lehrer. Ich gebe Qigong-Stunden in St. Gallen und habe ein Online-Programm entwickelt.

Online und Entspannung, siehst du darin in der heutigen Zeit, in der wir alle zu viel Zeit vor dem Handy oder dem Computer verbringen, keinen Wiederspruch? 
Nein gar nicht. Das Online-Qi-Gong bietet die Möglichkeit, die Übungen regelmässig auszuführen. So kann man sich ganz einfach zwischendurch entspannen. Mit der Zeit wird diese Entspannung dann zu einem wiederkehrenden Bedürfnis und man merkt, dass man diese Ruhe benötigt.

Zum Schluss noch eine letzte Frage: Was begeistert dich am meisten an Qigong?
Ich finde es genial, dass es endlos ist und man immer mehr über sich und seinen Körper erfährt. Das Erlebnis bei der Ausführung der Bewegungen verändert sich mit der Zeit. Dadurch wird die Erfahrung immer intensiver. Hinzu kommt, dass man sich Zeit für sich selbst nimmt. Qi Gong ist quasi Beziehungsarbeit mit sich selber.

Über Pepe Berger
Pepe Berger (45) ist verheiratet und lebt mit Haustieren und grossem Garten naturnah in Appenzell. 2011 schliesst er die Ausbildung zum Qigong-Lehrer nach SGQT ab. Es folgt die Ausbildung zum «Qigong Therapeut» bei Prof. Zhang Mingliang, Vertreter der EMei-Schule und die Ausbildung zum Myoreflex-Praktiker. Pepe Berger unterrichtet Qigong und behandelt manuell über das Muskelsystem.