Raus aus dem Studio, rein in die Natur!

Raus aus dem Studio, rein in die Natur!

Die Möbelbranche macht es auf Französisch, die Fitnessbranche auf Englisch. Das Rezept ist dasselbe: Aus alt wird neu – eben shabby chic – oder aus Vita Parcours wird Bootcamp. Die Methode ist simpel: Um Männer vom Grill weg- und Frauen aus der Gartenliege hochzukriegen, treffen sich die Gesundheitsbewussten nicht im Fitnessstudio, sondern versammeln sich draussen – auf dem Pausenhof, auf der Allmend, auf einem Sportplatz, im Wald oder am See.

Uncool wird beliebt
Was früher im Turnunterricht gehasst wurde oder gar als uncool galt, erfreut sich heute einer nie geglaubten Beliebtheit. Etliche zahlen dafür, dass sie sich in der kostenlos zur Verfügung stehenden Natur auspowern können. Ein Trainer oder eine Trainerin sorgt dafür, dass unterwegs der Bettel nicht hingeworfen wird.

Ursprung in der Armee
Der Begriff «Bootcamp» hat seinen Ursprung im US-amerikanischen Militär. Junge Rekruten wurden jeweils in kurzen Spezialtrainings auf ihre Tauglichkeit und Belastbarkeit hin geprüft. Daran angelehnt verwendete man den Begriff später für entsprechend strenge Umerziehungslager für Straftäter oder schwer erziehbare Jugendliche. Auch im eSports ist Bootcamp ein Begriff für ein Trainingslager, wo Strategien einstudiert, trainiert sowie Wettkämpfe vorbereitet werden.

Die Treppe wird wieder zum Stepper
Bootcamps finden in Gruppen und in der Regel draussen statt. Ein Instruktor leitet die Truppe an und jagt sie durch die Gegend. Auf zusätzliche Gerätschaften kann getrost verzichtet werden, denn die Trainer wissen, wie sie die direkte Umgebung für die körperliche Ertüchtigung nutzen können. Sprich: Was einst der Natur entnommen, kehrt wieder zu ihr zurück. So wird die Treppe wieder zum Stepper, das Rollband wieder zur Rennbahn oder zum simplen Waldboden mit Auf- und Abstieg, und Parkbanken, Strassenlampen sowie umgefallene Baumstämme ersetzen Maschinen und Gewichte.

Bis zu drei Bootcamps die Woche
Personaltrainer und kleinere Bewegungscenter haben das Outdoor-Training schon länger entdeckt. Während der Sommermonate verlegt beispielsweise in der Stadt Luzern so manch ein Bewegungsfachmann oder eine Bewegungsfachfrau das Training nach draussen. So reichen die Angebote von Yoga in der See-Badi über Zumba am See bis hin zu Capoeira im Park. An mehreren Stationen treffen sich dazu Gruppen, und manch ein Angestellter grösserer Firmen berichtet darüber, dass man sich mehrmals die Woche über Mittag zum gemeinsamen Laufen treffe.

Kein Wunder also, ziehen die grossen Fitnessketten nach. So finden in zweien der drei in Luzern und Zug gelegenen Fitnessparks des orangen Riesen bis zu drei Outdoor-Trainings die Woche statt. Anders im Raum Zürich: Von den fünf Fitnessparks bietet dies noch keiner an. Hingegen ziehen die Ost- sowie die Nordschweiz mit Winterthur, St. Gallen und Basel nach. Die jeweiligen Fitnessparks vor Ort haben das Angebot ebenfalls für sich entdeckt. Die Berner und die Westschweizer wiederum befinden sich ausnahmsweise mit den Zürchern in einem Boot. Auch bei ihnen finden alle Kursangebote noch in den dafür vorgesehenen Räumlichkeiten statt.

Quelle: BGB Schweiz, GymNess 02/2017