Stop Food Waste

Stop Food Waste

Meine Einkaufsgewohnheiten

Teil eins unserer Foodwaste-Serie beginnt ganz am Anfang, nämlich beim Einkaufen. Ich habe mich also gefragt, wie das genau bei mir aussieht: Wann, wie oft und wo kaufe ich ein? Wie viel Geld gebe ich aus und was sind mir die Produkte tatsächlich wert?

Wie die meisten von uns bin ich es gewohnt, regelmässig im lokalen Supermarkt einzukaufen, denn heutzutage haben auch kleine Supermärkte schon eine relativ grosse Auswahl. Gerade beim Gemüse und den Früchten finden sich auch Sorten, die gar nicht Saison haben – verlockend sehen Sie aber natürlich trotzdem aus. Wenn dann noch die eine oder andere Aktion angeboten wird, steigt die Chance schnell, dass mein Einkaufskorb am Ende voller ist als es die Einkaufsliste schliessen lässt. Ertappt: Auch ich bin vor Spontaneinkäufen nicht gefeit. Tatsächlich werde ich im Supermarkt stark beeinflusst, ich begegne Werbung via Plakat oder Lautsprecher, gehe am frisch duftenden Brot vorbei oder packe noch ein Glas Salsa auf den Einkauf, weil sie direkt neben den Tortilla-Chips steht. Bei der Kasse erschrecke ich, weil der Preis dann doch höher liegt als erwartet und zu Hause nerve ich mich, dass ich mich von der Aktion zu unnötigen Einkäufen habe verleiten lassen. Im Verlaufe der nächsten Tage sollte nun alles aufgebraucht werden, damit es nicht verdirbt. Doch dann steht mir der Sinn plötzlich nach Take-Out, ich gehe ins Restaurant oder werde eingeladen. Die Zeit läuft davon und die Produkte gammeln vor sich hin. Irgendwann landen sie im Abfall, sie waren ja nicht so teuer.

Ich versuche eine neue Strategie und mache beim nächsten Einkaufen einen Bogen um den Supermarkt. Stattdessen wähle ich einen grossen Bauernhof mit Laden, denn ganz auf die Auswahl verzichten will ich ja auch nicht. So fahre ich ein paar Tage später mit dem Tram zum Bio-Bauernhof am Stadtrand. Dort werden nicht nur die hofeigenen Artikel verkauft, sondern auch Produkte von anderen Höfen – aber alles aus der Schweiz. Als erstes fällt mir auf, dass ich nicht aus 27 verschiedenen Joghurt-Sorten aussuchen kann – und muss. Eine unerwartete Erleichterung. Vier Sorten gibt es und ich bemerke: ich brauche nicht mehr. Ich lerne, welche Gemüsesorten gerade Saison haben und finde bei jeder davon kleine und grosse, krumme und gerade Exemplare – macht Sinn, in der Natur wächst ja nicht alles nach Massstab. Der Hofladen bietet auch verarbeitetes Gemüse an. So finde ich nicht nur rohe, sondern auch eingemachte und als Chutney zubereitete Randen vor. Alles, was auf dem Feld wächst, wird verwertet und die Zutatenliste ist dabei erstaunlich kurz: Keine Geschmacksverstärker oder Zusatzstoffe – die Haltbarkeit ist entsprechend ebenso kurz. Der Herr hinter der Theke scheint selber auf dem Feld zu arbeiten, seine Hände weisen darauf hin. Authentisch. Wir kommen ins Gespräch.

Tatsächlich dauert der Einkauf etwas länger als im Supermarkt, denn ich habe mir erklären lassen, mit welchen Werten der Bauernhof geführt wird, dass keine Düngemittel oder Pestizide verwendet werden, keine Monokulturen angepflanzt werden, was die Tiere fressen und wie oft sie draussen sein dürfen. Ich bezahle mit dem Gefühl, dass die Produkte den Preis wert sind und das Geld am richtigen Ort ankommt. Zu Hause räume ich meine Einkäufe mit grosser Sorgfalt ein: Ich habe eine Beziehung zu den Produkten, sehe die Arbeit dahinter, fühle Respekt und Wertschätzung der Natur gegenüber. Schon jetzt freue ich mich auf deren Zubereitung und es würde mir schwer fallen, sie wegzuwerfen zu müssen. Ich möchte auf jeden Fall einen Weg zu finden, alle Produkte zu verarbeiten, notfalls einzumachen oder einzufrieren. Dieses Mal bleibt der Kompost leer.

Mein Fazit: Wenn ich eine Beziehung zum Produkt habe, erhöhen sich meine Wertschätzung und mein Respekt dafür. Für mich macht Einkaufen beim Bauern darum Sinn – scheint, als hätte der Hofladen eine neue Stammkundin.

Autor: Karin Meier, Inhaberin & Geschäftsführung Zum guten Heinrich