Uferwanderung St. Petersinsel am Bielersee

Uferwanderung St. Petersinsel am Bielersee

In einer intakten Natur und von der Schönheit dieses Kraftortes inspiriert, lustwandelt man auf der einzigen Bielersee-Insel: der Sankt Petersinsel. Vielleicht mit Gedanken an Petrus oder Rousseau, vielleicht mit einem Blick in die umliegende Natur – egal, es ist ein herrliches Sein und Wandern auf diesem ruhigen Eiland mit verführerischer Kulinarik im Kloster. Ein kraftvoller Ort!

Ausgangspunkt: St. Petersinsel Nord, Schiffstation
Endpunkt: Erlach, Post – Bushaltestelle
Einkehr: Unterkunft und Verpflegung: Restaurant & Klosterhotel St. Petersinsel
Anforderungen: gelb markiert

  • 00.00 h St. Petersinsel Nord, Schiffstation
  • 00.30 h Kloster
  • 00.40 h Pavillion
  • 01.00 h Chüngeliinsel
  • 01.50 h Erlach, Post – Bushaltestelle

WEGBESCHRIEB

Schauen wir wie einst der 1765 auf die Insel geflüchtete Sammler der Flora Petrinsularis in die Natur der St. Petersinsel und geniessen die Ruhe, die Schönheit, Erholung und Kraft auf diesem Eiland. Vielleicht entsteht bei uns dann auch der Wunsch «zurück zur Natur zu wollen» und uns an seinen Worten zu orientieren: «Sorge für dein Wohl mit dem geringstmöglichen Schaden für die anderen.» Vom 12. September bis zum 25. Oktober 1765 lebte Jean-Jacques Rousseau auf dieser Insel in einem doch recht grosszügigen Doppelzimmer im Kloster, welches besucht werden kann. Es finden sich noch immer nebst neueren auch entsprechend alte eingeritzte Einträge in Deckenbalken und Fensterrahmen, vornehmlich jene von seinen berühmten Besuchern. Er war Philosoph, Pädagoge, Naturforscher, Komponist der Aufklärungszeit und ein wichtiger Wegbereiter der französischen Revolution. Ab 1764 begann er mit botanischen Studien, die er auf der St. Petersinsel fortführte, dort Pflanzen sammelte und diese beschreib. Doch bevor man sich in sein Zimmer bewegt, reist man erst mal an.

Eine herrliche, abwechslungsreiche und sehr unangestrengte Reisemöglichkeit ist das Schiff der Bielersee-Schifffahrt «Rousseau»: Ab Biel geht es vorbei an speziell klingenden Namen und beeindruckenden Rebbergen der Orte Tüscherz, Engelberg, Twann, Ligerz bis St. Petersinsel Nord. Ein langer Steg führt direkt ans Ufer mit einem gut sortierten Kiosk, bei dem man unter Bäumen direkt am Wasser im Sand noch einen Augenschmaus nehmen und sich wie auf den Malediven oder in der Karibik fühlen kann.

Wer dann bereit ist, die Insel zu umrunden, geht linker Hand des Weges, der direkt zum Kloster auf der gegenüberliegenden Seite führt. Nach rund 40 Minuten erreicht man mit gemächlichem Spazieren das Klosterrestaurant. Man könnte aber auch direkt über den Hügel gehen und in 15 Minuten schon am Tisch sitzen. Allerdings würde man dann sicherlich den erholsamen Wald und die immer wieder spürbare Kraft dieses Ortes weniger wahrnehmen. Wahrnehmen braucht Musse und diese benötigt Zeit. Ein ganz besonderer Ort scheint die Hügelkuppel mit dem Pavillon zu sein, wo einst sogar getanzt wurde. So scheint es aber auch, dass genau dieser Platz vor Urzeiten als Zeremonienort genutzt wurde – ideal gelegen und geradezu Kraft abstrahlend.

Die Insel hat eine lange Geschichte der Besiedlung. Bereits die Römer – und wahrscheinlich auch schon in der späten Bronze – und führen Eisenzeit – siedelten dort Menschen. Am 10. Februar 1127 wurde hier der Sohn des Grafen Wilhelm III bestattet. Neuere archäologische Untersuchungen ergaben, dass diese Grablege in einer langen Tradition (merowing. Grablege, karoling. Holzkloster) stand, worauf auch der Name «Insel der Grafen» hindeutet. Um 1127 wurde auf der Insel ein Cluniazenser-Kloster errichtet, das heute als Gasthaus dient. Der Rebberg der St. Petersinsel geht auf die Zeit des Cluniazenserordens zurück, der ab dem 12. Jahrhundert auf der Insel ansässig war.

Das einzige heutige ganzjährig bewohnte Gebäude der autofreien Insel ist der Bio-Gutshof des Inselbauern. Hier könnte auch genächtigt werden, wenn man es noch näher an der Natur mag, sonst bietet sich das komfortable Klosterhotel an, in dem einst J.J. Rousseau lebte. J.W. von Goethe, Kaiserin Josephine Bonaparte und die Könige von Preussen, Schweden und Bayern waren nur einige wenige, welche die Insel und das Kloster nach ihm besuchten.

Die Insel selbst ist heute zu recht Naturschutzgebiet – besonders der artenreiche Heidenweg und der Wald. Einige Grillstellen sind wassernah gelegen, und es gibt viele Verweilorte. Der Heidenweg, der vom Kloster bis nach Erlach über etwa 4,5km durch die Moor- und Auenlandschaft der Insel führt, braucht vielleicht etwas Geduld, doch lässt es sich darauf gehend auch gut sinnieren, parlavern, diskutieren, träumen… Am Ende des Weges, angekommen am Hafen von Erlach, kann man sich wunderbar stärken in der Cabane du Pecheur oder auch in jedem anderen Erlacher Restaurant. Erlach: ebenfalls ein Ort mit Tradition, besonders im Weinbau. Ein Besuch beim Weingut Stettler lohnt sich – wer weiss, was eine Treberwurst ist?

Auch auf dem Schloss kann man im grossen Weinkeller den Tag ausdehnen oder einfach den Blick über die Insel schweifen lassen. «Schon mehrfach habe ich an bezaubernden Orten gewohnt, aber keinem verdanke ich so wahrhaft glückliche Stunden und keinem trauere ich so innig nach wie der Petersinsel im Bielersee.» (J.J. Rousseau)

Im Übrigen könnte man nach der Wanderung auch mal auf einem Campingplatz hausen – unser Tipp: Camping mon plaisir

Weitere tolle Wanderungen und Tipps zum Thema finden Sie auf wegwandern.ch.